Everesting in Grinzing 8.848 HM mit dem MTB –Das Event

Start der Tour:  Grinzing Unterer Schreiberweg
Ziel der Tour:    Grinzing Unterer Schreiberweg
optionaler Einstieg: entfällt
Streckenlänge in Km: 243,7
Höhenmeter:  8.991 –  ( die Höhenmeter in der GPX Grafik sind falsch  )
Straßenbelag Info: Asphalt und MTB Strecke gemischt
Befahrungsdatum: 05. Juni 2018 00:00 – 20:28:45

Vortag:

Der Vortag war komplett mit den restlichen Vorbereitungen verplant: Stilles Mineralwasser in entsprechender Menge kaufen und ins Auto laden, Iso-Pulver in Dosen portionieren, 9 Trinkflaschen schon fertig füllen, damit in der Nacht nur die Flasche gewechselt werden muss. Vieles mehrfach einpacken: Hose, Trikot, Socken, Schuhe – es war schließlich Regen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % angesagt. Wäre ich in einen Gewitterregen gekommen, hätte ich mich umziehen müssen.

Außerdem durfte nichts an technischer Ausrüstung fehlen. Ladekabel beispielsweise, oder zusätzliche Lampen als Backup für die Nacht – es sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Alles wurde in unterschiedliche Schachteln gepackt und zusammen mit den Wasserflachen und Kühlboxen, die in der Früh und im Lauf des Tages mit Essen und Getränken befüllt werden, sowie zwei Gartensessel ins Auto gepackt. Auto am Start geparkt – „Basislager“ errichtet.

Alles musste bis 16 Uhr fertig sein, dann Essen kochen, die Kohlenhydratspeicher mussten mit einem kalorienreichen veganen Nudelgericht aufgefüllt werden.

Der Plan war, ab 18 Uhr noch eine Weile schlafen zu können.

Das ist nur zum Teil gelungen. Wecker auf 22:45 gestellt, aber an Einschlafen um 18 Uhr nicht zu denken. Dösen bis ca. 20:45, dann doch ca. 2 Stunden Schlaf. Espresso kochen, noch ein Vollkorn-Weckerl mit Margarine und Marmelade gegessen, angezogen und die 1,24 Kilometer und 21 Höhenmeter zum Start gemütlich zum Einfahren nutzen. Nicht über die direkte Verbindung zum Start über den Grinzinger Steig, denn die hat 18 % Steigung ;), sondern über einen Umweg.

Die Fahrt

„Edelsherpa“ Martin „Stoneman Trail“ wollte um 2 Uhr dazustoßen und dann bis zum Morgen mitfahren. Da er eh nicht schlafen konnte, stand er um 0:00 Uhr mit mir an der Startlinie und fuhr durch die Nacht mit! Die ersten Stunden sind so schnell verflogen. Jede Runde nach demselben Schema: Vorher getestete Gänge an den jeweiligen Stellen einlegen, möglichst oft im Wiegetritt fahren, an der oberen Wende die Gabelsperre aufheben, 5 oder 6 Gänge raufschalten, die Helmlampe von der dritten auf die zweite Stufe schalten, die enge Wende fahren und in die im ersten Teil schnelle Abfahrt gehen. Dann konzentrieren auf den Schotterweg, über den Parkplatz vom Krapfenwaldbad rollen, den unteren Schreiberweg hinunterrollen, im Mittelteil kurz auf etwaigen Querverkehr achten (der aber zum Glück nie kam), im unteren Teil die gepflasterten Querrinnen entweder überrollen oder übersrpingen und zur unteren Wende ausrollen, umdrehen und den Schreiberweg wieder im festen Gangschema zuerst flach und dann steiler werdend bergauf in Richtung Krapfenwald.

Dank der Lupine Helmlampe verlief die Nacht sehr viel stressfreier als befürchtet – das Licht dieser Lampe, die Steuerbarkeit über eine Fernbedienung am Lenker (2. und 3. Stufe von der 4-stufigen Einstellung wurden abwechselnd verwendet) und der ausdauernde Akku sind toll. Die Lampe war am Helm montiert, der Akku in der Trikottasche am Rücken. Anschluss mit dem (mitgelieferten) Verlängerungskabel kein Problem. Ein am Helm montierter Akku wäre schwer, der Helm würde nicht mehr gut sitzen.

Dann kamen die Tiere.

Marder, Füchse, Katzen, ein Reh. Sie huschten knapp vor uns über den Schotter, ein Fuchs schaute interessiert am Straßenrand, ging aber dann wieder zurück ins Gebüsch. Zum Glück keine Kollision mit einem Marder, wie es Martin vor einem Jahr erlebt hat – das war eine meiner größten Befürchtungen. Das könnte für Tier und Mensch lebensgefährlich werden.

Während der Stunden in der Nacht hat meine Freundin Eileen („food and beverage Sherpa“!) ein veganes Reisgericht mit Bananen und Cashew-Nüssen gekocht, unzählige Sandwiches gemacht und einzeln verpackt. Nachträglich gesehen war das enorm wichtig, sich nicht nur von Isogetränken, Gels und Riegel zu ernähren. Das wird einfach auf Dauer viel zu süß, und Riegel während der Fahrt kauen und essen ist bergauf wie bergab ohnehin nicht so mein Fall.

Einige kurze Essenspausen erhöhen zwar die Bruttozeit, das war aber unwichtig. Hätte ich schnell sein wollen, müsste ich sowieso eine andere Strecke wählen.

Kurz vor der Morgendämmerung kam der nächste „Sherpa“ angeradelt – Anita, deren Mann Manuel im Lauf des Vormittags auch noch auf 2.000 Höhenmeter auf der Evereststrecke kommen sollte. Mit der frischgebackenen Großglockner-Vizekönigin und Zweifach-Everester Martin bin ich bis ca. 5:15 Uhr gefahren, dann eine halbe Stunde alleine. Die Beteiligung am Event war großartig und eine tolle Unterstützung. Zwischen 5:15 und 5:45 war die einzige halbe Stunde, die ich alleine fahren musste! Dann kam Everester und zweiter Edelsherpa Andi, der den gesamten restlichen Tag bis auf ein paar pausierte Runden komplett mitgefahren ist. 5.000 Höhenmeter! Edelsherpa Martin kam natürlich am Nachmittag auch nochmal und fuhr in Summe über 3.600 Höhenmeter mit – er musste nur zwischendurch einen Arbeitstag im Büro über die Bühne bringen ;).

Viele weitere Besucher sind über den Tag verteilt mitgefahren,

Freunde und Familienmitglieder, die keine Radler sind, haben sich im „Basislager“ eingefunden und sind zum Teil bis zum Zieleinlauf geblieben.

Sogar der allererste österreichische Everester (!) Matthias fuhr ein „Hochecking“ mit und ließ es mit dem Gravel Bike richtig krachen – lt. Strava über 33 km/h am Teilstück mit der groben Schotterabfahrt hätte ich mit dem CX-Bike nicht für möglich gehalten, ohne zumindest das Material zu zerstören.

Bei den finalen Auffahrten war Max von unserer „Hase und Igel“-Truppe mit von der Partie, der am selben Tag sein MTB noch reparieren ließ, um die komplette Auf- und Abfahrt mitfahren zu können. Am Nachmittag kam Michael, der mit 4 Auffahrten auch über 800 Höhenmeter auf dem Tacho hatte, bevor er noch zu einer Dopplerhüttenrunde mit seiner Frau aufbrechen musste und Andi nach einer kurzen Pause wieder einsprang. Auch Bernhard, der Gründer des Radsporttreffs, machte mir gegen Ende noch die Ehre zu kommen.

Tiefpunkt hat es keinen wirklichen gegeben,

die 130.000 Höhenmeter als Vorbereitung von Jänner bis Mai zeigten Wirkung. Nur der Teil bei vielleicht 5.500 bis 6.500 Höhenmeter wurde mental zäh. Das Wetter wurde am späten Nachmittag noch zum unkalkulierbaren Risiko, Gewitter mit 50% Wahrscheinlichkeit waren angesagt, der Himmel zeitweise recht schwarz. Hoffen und weiterfahren war die Devise, die Sherpas haben stets beschwichtigt – wahrscheinlich um die Stimmung gut zu halten: „Na, do kummt nix, des verziagt si!“ Die Hitze – knapp unter 30 Grad – war für alle anderen mehr Problem als für mich, ich kam damit gut zurecht und war froh, dass es trocken blieb.

Die Rundenzeiten konnten sehr konstant gehalten werden.

Durchgehend zwischen 20:00 und 21:30 Minuten. Erste Runde 20:21, letzte Runde 20:10. Möglich war das auch durch ein festes Gangschema – man schaltet immer an denselben Wegpunkten auf immer dieselben Gänge. Eine von vielen Erkenntnissen der beiden Everester Martin und Andi, von denen ich profitiert habe.

Probleme waren hauptsächlich das Sitzen und die Hände. Vor allem der Schotterweg wurde nach vielen Runden hart: Am groben Schotter bergauf kann man kaum im Wiegetritt fahren und ich musste die ganze Teilstrecke sitzen, was bei dem Gerumpel im späten Teil der Fahrt schmerzhaft wurde. Bergab muss man bei den Bodenwellen und großen Steinen sehr konzentriert fahren, die Abfahrt ist nicht ganz ungefährlich. Nach jeder Abfahrt am Schotter war ich froh, endlich am Asphalt den restlichen Teil einfach hinunterrollen zu können.

Gegen Ende rechneten wir herum, wie viele Auffahrten letztendlich nötig sein werden. Aufgrund der Ungenauigkeiten bei Höhenmetern sowohl in Strava als auch bei den Messungen ist das nie genau vorhersagbar. 47 Runden waren es lt. „Everesting Calculator“, mit 49 Runden hatte ich aufgrund meiner Messungen gerechnet. 50 mussten letztendlich gefahren werden, da nach 49 Runden erst 8809 HM auf dem Garmin standen, auf der Suunto noch etwas weniger. Also eine letzte Runde, während dieser um 20:07 endlich die 8.848 überschritten wurden.

Sherpas, Freunde und Familie machten aus der Fahrt und vor allem der Zielankunft ein derartiges Volksfest, dass ich mir fast schon denke: „Ich möcht’s nochmal machen“. Da gäbe es eh noch was Ähnliches: „High Rouleurs Society“, bei der 10.000 Höhenmeter gefahren werden müssen…

Bilder: Jürgen Bartl, Gerhard Hayek. Text: Jürgen Bartl

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By | 2018-06-06T22:02:00+00:00 Juni 5th, 2018|Categories: News, Radtouren|Tags: , |2 Comments

About the Author:

Mein Name ist Gerhard Hayek und ich fahre mit Crosser oder Reiserad Tagestouren in Niederösterreich. Meine Radurlaube verbringe ich auf Mallorca und in Italien. Bei der Routenplanung sind mir die Landschaft, deren Geschichte und eine verkehrsberuhigte Streckenführung besonders wichtig. Dies würde ich gerne mit Interessierten teilen. Die angegebenen Höhenmeter passen niemals genau, das ist etwas wetterabhängig.

2 Comments

  1. Jürgen Bartl 8. Juni 2018 at 12:39 - Reply

    Vielen Dank für die Gratulation!

  2. TM1ka 8. Juni 2018 at 6:21 - Reply

    Super Leistung, Gratuliere!
    Der Blog entwickelt sich zu tollen „Ausnahme Leistungen“, bin schon gespannt was da noch vorgestellt wird

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